Ratgeber // Grundlagen

Warum das Design einer Website zuletzt kommt

Weil Farbe und Form über den Erfolg einer Website am wenigsten entscheiden. Das Fundament einer Website ist etwas anderes: wie sie aufgebaut ist, ob Maschinen sie lesen können, ob sie sicher ist und ob sie in zwei Jahren noch trägt. Erst wenn das steht, wird sie schön. Wer die Reihenfolge umdreht, zahlt zweimal. Dieser Beitrag zeigt, woran man das im Voraus erkennt.

Kein Architekt beginnt mit der Wandfarbe

Sie würden keinen Bauunternehmer beauftragen, der beim ersten Termin Fliesenmuster auf den Tisch legt. Sie erwarten, dass er zuerst über den Baugrund spricht, über die Statik, über Leitungswege und darüber, wo später einmal ein Anbau möglich sein soll. Die Wandfarbe kommt zum Schluss, und sie lässt sich an einem Wochenende ändern. Eine tragende Wand nicht.

Bei Websites ist es genauso, nur sieht man es nicht. Ein Haus mit schiefem Fundament erkennt jeder an den Rissen in der Wand. Eine Website mit schiefem Fundament sieht auf den ersten Blick tadellos aus. Sie fällt trotzdem durch, nur eben unsichtbar: bei der Suchmaschine, beim Vorleseprogramm eines sehbehinderten Besuchers, bei der Ladezeit im Funkloch unterwegs, und spätestens dann, wenn das Unternehmen wächst und die Seite mitwachsen soll.

Diesen Vergleich ziehe ich in fast jedem Erstgespräch, und ich ziehe ihn bewusst. Jeder versteht ihn sofort: Wer ein Haus baut, legt die Leitungen, bevor die Fliesen ausgesucht werden.

Was das Fundament einer Website ausmacht

„Fundament“ klingt vage, deshalb hier konkret, was damit gemeint ist. Es sind fünf Dinge, und keines davon sieht man auf einem Entwurf.

Die Struktur: was steht wo, und warum

Bevor eine einzige Seite gestaltet wird, muss feststehen, welche Seiten es überhaupt gibt, wie sie zusammenhängen und welche Frage jede einzelne beantwortet. Das ist keine Fleißarbeit, sondern die eigentliche Entscheidung. Eine Seite, die drei Dinge gleichzeitig will, erreicht keines davon: informieren, Bewerber ansprechen und ein Angebot verkaufen.

Aus der Struktur ergibt sich auch die Navigation, und daran scheitern viele Auftritte. Wenn im Menü zwölf Punkte stehen, hat vorher niemand entschieden, was wichtig ist. Diese Entscheidung wird dann an den Besucher weitergereicht, und der trifft sie meistens, indem er die Seite verlässt.

Die Maschinenlesbarkeit: was Suchmaschinen und Sprachassistenten sehen

Eine Maschine sieht Ihre Website nicht. Sie liest sie. Und sie liest etwas völlig anderes als Sie: Überschriften in ihrer Rangfolge, Absätze, Verweise, dazu Angaben, die eigens für Maschinen hinterlegt sind: Anschrift, Öffnungszeiten, Zuständigkeitsgebiet, Fragen und Antworten.

Wie oft das schiefgeht, sehe ich bei jeder Prüfung. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Ein Unternehmen hatte zehn ordentlich geschriebene Fachbeiträge auf seiner Seite, und keiner davon hatte eine Hauptüberschrift. Für den Besucher sah alles richtig aus, die Titel standen groß und fett da. Für die Suchmaschine stand dort nichts, woran sie das Thema erkennen konnte. Zehn gute Texte, die niemand findet, weil eine Zeile im Grundgerüst fehlt.

Das gewinnt gerade an Bedeutung, weil immer mehr Menschen keine Suchmaschine mehr fragen, sondern einen Sprachassistenten. Der liest dieselbe Seite, aber noch strenger: Er sucht nach Angaben, die als Angaben gekennzeichnet sind. Was er nicht als solche erkennt, kann er nicht wiedergeben.

Die Sicherheit: unsichtbar, bis sie fehlt

Sicherheit ist der Teil des Fundaments, über den im Erstgespräch fast nie jemand spricht, und der am teuersten wird, wenn er fehlt. Dazu gehört, wie der Server antwortet, welche Angaben eine Seite über sich selbst preisgibt, ob sich Benutzerkonten von außen abfragen lassen, ob Anmeldeversuche begrenzt werden, ob Aktualisierungen zuverlässig eingespielt werden.

Das ist keine Theorie. Wer eine Website ins Netz stellt, wird binnen Stunden von automatisierten Programmen abgeklopft, die Anmeldemasken durchprobieren. Nicht, weil jemand es auf Ihr Unternehmen abgesehen hätte, sondern weil diese Programme jeden Server abklappern, den sie finden. Ein Auftritt ohne Grundschutz ist wie eine Baustelle ohne Bauzaun: Es geht meistens gut, und wenn nicht, ist es teuer. Den laufenden Teil davon, also Aktualisierungen, Sicherungen und begrenzte Anmeldeversuche, übernehme ich bei Betreuung und Pflege.

Die Technik darunter: Ladezeit und Gewicht

Wie schnell eine Seite erscheint, entscheidet sich nicht am Design, sondern an dem, was darunter liegt: wie viele Dateien geladen werden, wie groß die Bilder sind, ob der Server komprimiert ausliefert, ob Browser Teile behalten dürfen. Auf dem Bürorechner mit Glasfaser merkt man davon nichts. Ihr Kunde steht aber vielleicht in einem Neubaugebiet mit einem Balken Empfang und sieht drei Sekunden lang eine weiße Fläche.

Diese drei Sekunden sind teurer als jede Designentscheidung. Wer sie einmal verloren hat, bekommt den Besucher nicht zurück und weiß nie, dass er da war. Wie Sie das selbst prüfen können, steht im Beitrag zum Test am Handy.

Die Bedienbarkeit für alle

Barrierefreiheit gilt vielen als Zusatz, den man später aufsattelt. Das stimmt nicht. Ob eine Seite sich mit der Tastatur bedienen lässt, ob Formularfelder beschriftet sind, ob ein Vorleseprogramm die Gliederung versteht, ob Farben genug Kontrast haben: All das entsteht beim Bauen oder gar nicht. Nachrüsten heißt: aufreißen.

Der Nutzen reicht weit über den Personenkreis hinaus, an den man zuerst denkt. Wer mit sechzig Jahren die Lesebrille im Auto vergessen hat, profitiert von ordentlichem Kontrast genauso wie jemand mit einer Sehbehinderung. Und die Kundschaft vieler Unternehmen ist im Schnitt nicht dreißig.

Was passiert, wenn man mit dem Design anfängt

Es entsteht etwas, das gut aussieht und nicht trägt. Der übliche Verlauf: Der Entwurf gefällt, alle sind zufrieden, die Seite geht online. Nach ein paar Monaten soll eine Karriereseite dazu, dann eine zweite Leistung, dann ein Formular, das Anfragen vorsortiert. Jede dieser Ergänzungen passt nicht so recht in das, was gebaut wurde. Also wird angestückelt.

In der Softwareentwicklung heißt das technische Schulden: Was man am Anfang an Aufwand spart, zahlt man später mit Zinsen zurück. Jede Änderung dauert länger als die vorherige, jede Erweiterung ist riskanter. Irgendwann sagt jemand den Satz, den ich zu oft höre: „Wir machen die Seite lieber ganz neu.“ Nach zwei, drei Jahren. Für Geld, das schon einmal ausgegeben wurde.

Beim Hausbau ist es dasselbe Muster. Der nachträgliche Wanddurchbruch für eine Leitung, die man vorher hätte einplanen können, kostet ein Vielfaches der Planungsstunde, die niemand bezahlen wollte. Warum ich deshalb nichts baue, was nach achtzehn Monaten wieder aufgerissen wird, steht im Beitrag Warum Ihre Website länger halten sollte als drei Jahre.

Wo Farbe dann doch keine Geschmackssache ist

Ein Einwand vorweg, damit kein Missverständnis entsteht: Farbe ist nicht beliebig. Sie ist nur später dran. Und an einer Stelle ist sie sogar messbar richtig oder falsch, nämlich beim Kontrast.

Ob ein Text lesbar ist, lässt sich ausrechnen. Es gibt dafür einen Wert, der das Verhältnis zwischen Schrift und Untergrund beschreibt, und einen Mindestwert, den er erreichen soll. Ein kräftiges Orange auf Weiß etwa wirkt auf dem Bildschirm knackig und liegt trotzdem deutlich unter dieser Schwelle. Für dieselbe Farbe als Knopffläche mit dunkler Schrift gilt das Gegenteil.

Das ist der Grund, warum ich Kontraste messe statt sie zu beurteilen. Das Auge täuscht sich hier zuverlässig, besonders auf einem guten Monitor bei Tageslicht. Ihre Markenfarbe bleibt Ihre Markenfarbe. Sie bekommt nur eine Rolle zugewiesen, in der sie funktioniert.

Wie ein Projekt bei mir abläuft

Ich sage das offen, weil es Erwartungen spart: Ich baue nicht nach Zuruf. Wenn im ersten Gespräch der Wunsch kommt, dass „hier noch etwas Bewegtes rein“ soll und „da unten ein Kasten mit Bildern“, dann hole ich zurück. Nicht aus Sturheit, sondern weil solche Wünsche das Ergebnis von Entscheidungen sein sollten, die noch gar nicht getroffen wurden.

Die Reihenfolge ist immer dieselbe. Zuerst kläre ich mit Ihnen, was die Seite leisten soll: welche Anfragen sie bringen soll und welche nicht, ob Bewerbungen dazugehören, welche Leistung im Vordergrund steht. Daraus entsteht die Struktur. Dann kommen Inhalte und Bilder, denn Gestaltung ohne echten Inhalt ist Dekoration. Erst danach wird gestaltet, und dann geht es schnell, weil alle Entscheidungen bereits gefallen sind.

Das Ergebnis dieser Reihenfolge: Die Gestaltung wirkt nicht aufgesetzt, weil sie aus dem Inhalt kommt. Und sie hält, weil das, was darunter liegt, sie trägt. Wie eine Seite aussieht, die nach diesem Muster gebaut ist, sehen Sie an dieser hier. Nach demselben Muster entsteht jede Seite, die ich baue; was dabei im Einzelnen enthalten ist, steht beim Webdesign.

Wer wissen will, warum eine hübsche Seite trotzdem keine Anfragen bringt, findet die Antwort meistens genau hier: im Fundament. Der Beitrag Warum Ihre Website Besucher hat, aber keine Anfragen geht auf diesen Teil genauer ein.

Häufige Fragen zum Aufbau einer Website

Was ist wichtiger: Struktur oder Design?

Die Struktur, weil das Design auf ihr aufbaut. Sie legt fest, welche Seiten es gibt, was jede beantwortet und wie sie zusammenhängen. Das Design gibt dieser Ordnung anschließend Form. Umgekehrt funktioniert es nicht: Ein Entwurf, der auf keiner Struktur steht, muss beim ersten Ausbau wieder aufgerissen werden.

Warum darf ich mir die Farben nicht einfach aussuchen?

Sie dürfen. Ihre Markenfarben sind gesetzt, daran rüttelt niemand. Was festgelegt wird, ist die Rolle, die jede Farbe bekommt: welche für Flächen taugt, welche für Schrift, welche nur als Linie. Diese Zuordnung ist keine Geschmacksfrage, sondern rechnerisch überprüfbar: Für Schrift gilt ein Mindestkontrast, den manche Farben auf hellem Grund nicht erreichen.

Was gehört alles zum Fundament einer Website?

Fünf Bereiche: die Seitenstruktur, die Maschinenlesbarkeit für Suchmaschinen und Sprachassistenten, die Sicherheit, die technische Grundlage für Ladezeit und Gewicht sowie die Bedienbarkeit für alle Besucher. Nichts davon sieht man auf einem Entwurf, und alles davon entscheidet, ob die Seite ihren Zweck erfüllt.

Meine Website sieht doch gut aus. Reicht das nicht?

Gutes Aussehen ist die halbe Miete, aber nur die halbe. Eine Seite kann tadellos aussehen und trotzdem für Suchmaschinen unlesbar, für Tastaturnutzer unbedienbar und beim Ausbau unbrauchbar sein. Diese Mängel fallen im Alltag nicht auf. Sie zeigen sich daran, dass keine Anfragen kommen.

Was sind technische Schulden bei einer Website?

Aufwand, den man am Anfang spart und später mit Zinsen zurückzahlt. Wird ohne tragfähige Struktur gebaut, passt jede spätere Erweiterung nur mit Mühe hinein. Jede Änderung dauert länger als die vorherige, bis ein kompletter Neubau billiger erscheint als das Weiterbauen, oft schon nach zwei bis drei Jahren.

Wie lange dauert es, bis das Fundament steht?

Der unsichtbare Teil beansprucht den größeren Anteil der Projektzeit, obwohl man am Ende nichts davon sieht. Dafür geht die Gestaltung danach zügig, weil alle Entscheidungen schon gefallen sind. Wer bei der Struktur spart, spart an der falschen Stelle: Diese Zeit holt man später mit Zinsen wieder ein.

Kann man das Fundament später nachbessern?

Teilweise. Fehlende Überschriften, Alternativtexte oder Schutzangaben lassen sich nachtragen. Eine falsche Grundstruktur dagegen kaum, denn sie betrifft jede Seite und jeden Verweis. Wer nachträglich umbaut, zahlt in der Regel mehr als bei einem sauberen Neubau, weil zusätzlich zur neuen Arbeit die alte auseinandergenommen werden muss.

Warum interessiert sich meine Agentur nicht für diese Dinge?

Weil der unsichtbare Teil sich schlecht verkaufen lässt. Ein Entwurf mit Farben und Bildern überzeugt im Termin sofort, eine saubere Struktur nicht. Fragen Sie beim nächsten Angebot gezielt nach: Wie ist die Seitenstruktur geplant? Welche Angaben werden maschinenlesbar hinterlegt? Was passiert bei Aktualisierungen? Die Antworten sagen mehr über die Arbeitsweise als jeder Entwurf.

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