Ratgeber // Grundlagen
Warum Ihre Website länger halten sollte als drei Jahre
In der Branche gilt ein Neubau nach drei bis fünf Jahren als normal. Ich halte das für ein Eingeständnis, nicht für einen Rhythmus. Eine nachhaltige Website ist von Anfang an zum Mitwachsen gebaut und hält deutlich länger. Was sie dazu braucht, hat wenig mit Technikmoden zu tun. Dieser Beitrag zeigt, woran kurzlebige Auftritte scheitern und woran Sie im Angebot erkennen, ob Ihre nächste Seite Bestand hat.
Was „nachhaltige Website“ hier nicht meint
Wenn von nachhaltigen Websites die Rede ist, geht es meist um Ökostrom im Rechenzentrum, um Seitengewicht und um Gramm Kohlendioxid je Aufruf. Das ist ein berechtigtes Thema, und eine leichte Seite ist auch eine schnelle Seite. Der Nutzen liegt für Ihre Besucher also auf der Hand.
Darum geht es hier trotzdem nicht. Ich meine Nachhaltigkeit im ursprünglichen Sinn des Wortes: etwas so anlegen, dass es Bestand hat. Die unnachhaltigste Website ist nicht die auf dem Kohlestrom-Server. Es ist die, die nach achtzehn Monaten in den Papierkorb wandert, weil sie sich nicht weiterbauen lässt, samt aller Arbeit, die in Texten, Bildern und Suchmaschinenrang steckt.
Woran kurzlebige Websites scheitern
Nach meiner Erfahrung ist es fast nie die Optik. Es sind vier andere Gründe, und sie treten selten einzeln auf.
Die Seite kann nicht mitwachsen
Gebaut wurde für das Unternehmen, wie es im Frühjahr war: vier Leistungen, ein Formular, ein Team von acht Leuten. Dann kommt die Karriereseite dazu, weil zwei Stellen offen sind. Dann eine eigene Seite für die Leistung, die am meisten einbringt. Dann ein Anfrageformular, das vorsortiert, weil für unpassende Anfragen keine Zeit mehr bleibt.
Keine dieser Erweiterungen ist ungewöhnlich. Wenn die Seite als geschlossenes Werk gebaut wurde, passt sie trotzdem nirgends hinein. Also wird angestückelt, und mit jedem Anbau sieht das Ganze weniger nach einem Guss aus.
Die Inhalte hängen am Werkzeug
Das ist der Punkt, der am meisten Geld kostet und am seltensten besprochen wird. Bei vielen Baukastensystemen und auch bei manchen Bauwerkzeugen für gängige Redaktionssysteme liegen Ihre Texte nicht als Texte in der Datenbank, sondern eingebettet in eine eigene Auszeichnungssprache des Anbieters.
Solange Sie beim Anbieter bleiben, merken Sie davon nichts. Beim Wechsel merken Sie es sofort: Die Inhalte lassen sich nicht mitnehmen, sondern müssen abgeschrieben werden. Bei zwanzig Seiten und einem Dutzend Fachbeiträgen sind das Tage. Genau an dieser Stelle entscheiden sich viele Unternehmen gegen den Wechsel und bleiben bei etwas, das ihnen nicht mehr passt.
Fragen Sie deshalb vor jedem Auftrag: Kann ich meine Inhalte in einem gängigen Format herausziehen? Wenn die Antwort ausweicht, kennen Sie den Preis der Bindung noch nicht.
Niemand im Unternehmen kann sie pflegen
Eine Seite, für die man bei jeder Kleinigkeit anrufen muss, veraltet zwangsläufig. Nicht weil das Unternehmen schludrig wäre, sondern weil die Hürde zu hoch ist. Die neue Telefonnummer, die dritte Stellenanzeige, das Foto vom neuen Projekt: Wenn das jedes Mal einen Auftrag bedeutet, bleibt es liegen.
Deshalb gehört zu einem langlebigen Auftritt, dass die immer wiederkehrenden Arbeiten im Unternehmen selbst erledigt werden können. Nicht alles, an der Struktur soll niemand nebenbei schrauben. Aber Text ändern, Bild tauschen, eine Stelle einstellen: Das muss ohne Rückfrage gehen.
Die Technik veraltet ungebremst
Software altert, auch wenn niemand sie anfasst. Sicherheitslücken werden bekannt, Erweiterungen werden nicht mehr gepflegt, Browser ändern ihr Verhalten. Wer nie aktualisiert, hat nach zwei Jahren keine stabile Seite, sondern eine, die nur noch nicht umgefallen ist.
Umgekehrt gilt aber auch: Wer beim Bauen jede Modeerscheinung mitnimmt, baut Verfallsdaten ein. Je mehr Erweiterungen im Spiel sind, desto mehr Stellen können bei einer Aktualisierung brechen. Ein schlanker Aufbau mit wenigen, gut gewählten Bestandteilen überlebt fünf Jahre Aktualisierungen deutlich gelassener als ein Auftritt mit vierzig Zusatzmodulen.
Was eine Website mitwachsen lässt
Die Gegenstücke zu den vier Punkten oben, in der Reihenfolge, in der sie beim Bauen entstehen.
Eine Struktur mit Platz. Beim Planen wird nicht nur besprochen, was jetzt gebraucht wird, sondern was in zwei Jahren dazukommen könnte. Eine Karriereseite, eine zweite Leistung, ein Standort: Das muss nicht gebaut werden, aber der Platz dafür muss vorgesehen sein. Das kostet beim Planen fast nichts und beim Nachrüsten viel.
Wiederverwendbare Bauteile statt Einzelanfertigungen. Wenn jede Seite von Hand zusammengesetzt wird, ist die zwanzigste genauso teuer wie die erste. Werden stattdessen wiederkehrende Bausteine angelegt, etwa ein Leistungsblock, eine Fragenliste oder eine Referenzkarte, dann ist eine neue Seite eine Sache von Stunden. Und wenn sich das Erscheinungsbild ändert, ändert es sich überall gleichzeitig.
Inhalte, die Ihnen gehören. Texte als Texte, Bilder in gängigen Formaten, Struktur in offenen Standards. Damit ist ein Umzug jederzeit möglich, und diese Möglichkeit ist der eigentliche Wert. Sie bleiben, weil es passt, nicht weil Sie nicht wegkönnen. Wie ich Websites aufbaue, steht beim Webdesign.
Eine Pflege, die stattfindet. Aktualisierungen laufen, Sicherungen werden angelegt und gelegentlich auch zurückgespielt, denn eine Sicherung, die noch niemand ausprobiert hat, ist eine Hoffnung, keine Sicherung. Dazu ein Blick von außen in Abständen: Was hat sich verschlechtert, was ist neu hinzugekommen, was fällt inzwischen durch. Wer das nicht selbst leisten kann oder will, gibt es ab. Bei mir heißt dieser Teil Betreuung und Pflege.
Woran Sie es im Angebot erkennen
Sie müssen die Technik nicht beurteilen können. Es genügen vier Fragen, und die Antworten verraten mehr als jede Referenzliste.
Was kostet es, in einem Jahr eine Karriereseite dazuzunehmen? Wer das nicht ungefähr beantworten kann, hat den Ausbau nicht mitgedacht. Kann ich meine Inhalte später mitnehmen, und in welchem Format? Eine ausweichende Antwort ist eine Antwort. Was kann ich selbst ändern, was nicht? Wenn alles beim Anbieter liegt, veraltet die Seite mit Ansage. Wer spielt die Aktualisierungen ein, und was passiert, wenn dabei etwas bricht? Ohne geklärte Zuständigkeit macht es am Ende niemand.
Der teuerste Fehler ist der Neubau, der nicht nötig gewesen wäre
Rechnen Sie einmal mit, was ein Neubau wirklich kostet. Da ist der Betrag im Angebot, und daneben stehen Ihre Stunden für Abstimmung und Freigaben, die Texte, die wieder geschrieben werden, die Fotos, die wieder gemacht werden. Dazu die Sichtbarkeit, die sich über Jahre aufgebaut hat und bei einem unsauberen Umzug ganz oder teilweise verschwindet, weil Adressen sich ändern und alte Verweise ins Nichts führen.
Deshalb baue ich nichts, was in achtzehn Monaten wieder aufgerissen wird. Ich habe Unternehmen erlebt, die ihre dritte Website in sechs Jahren bezahlt haben und beim dritten Mal noch dieselben Probleme hatten wie beim ersten, weil jedes Mal an der Oberfläche gearbeitet wurde und nie am Aufbau. Diese Runde möchte ich nicht mitdrehen.
Der Aufwand dafür liegt vorn, im unsichtbaren Teil. Warum das so ist und was dort eigentlich passiert, steht im Beitrag Warum das Design einer Website zuletzt kommt.
Häufige Fragen zur Langlebigkeit einer Website
Wie lange sollte eine Website halten?
Deutlich länger als die drei bis fünf Jahre, die als Richtwert für einen Neubau kursieren. Wer den Ausbau von Anfang an mitplant, ändert über die Jahre Inhalte, Bilder und einzelne Bereiche, aber nicht das Ganze. Ein vollständiger Neubau nach zwei Jahren ist ein Zeichen dafür, dass beim ersten Mal an der falschen Stelle gespart wurde.
Was bedeutet eine nachhaltige Website?
Zwei Dinge, die oft verwechselt werden. Im ökologischen Sinn: geringes Seitengewicht und ein Rechenzentrum mit erneuerbarer Energie. Im ursprünglichen Sinn: so gebaut, dass sie Bestand hat, mitwachsen kann und nicht nach kurzer Zeit ersetzt werden muss. Das Zweite hat den größeren Hebel, auch ökologisch, denn nichts verbraucht mehr Ressourcen als eine Website, die dreimal neu gebaut wird.
Kann ich meine Inhalte von einem Baukastensystem mitnehmen?
Meist nur eingeschränkt. Bei vielen Baukästen liegen Texte in einem eigenen Format des Anbieters und lassen sich nicht vollständig ausleiten. Im schlechtesten Fall beginnt man von vorn. Klären Sie das vor dem Auftrag, nicht beim Wechsel. Die Frage lautet: In welchem Format bekomme ich meine Inhalte heraus, wenn ich gehen möchte?
Warum muss eine Website überhaupt gewartet werden?
Weil Software altert, auch ohne Zutun. Sicherheitslücken werden öffentlich bekannt, Erweiterungen werden nicht mehr gepflegt, Browser ändern ihr Verhalten. Ohne Aktualisierungen ist eine Seite nach ein bis zwei Jahren nicht stabil, sondern nur noch nicht umgefallen. Zur Pflege gehören außerdem Sicherungen, und die sollten gelegentlich zurückgespielt werden, sonst weiß niemand, ob sie funktionieren.
Was kostet es, später eine Karriereseite dazuzunehmen?
Das hängt davon ab, ob beim Bauen Platz dafür vorgesehen wurde. Wenn ja, ist es eine Sache von Stunden, weil die Bausteine vorhanden sind. Wenn nein, wird es ein kleines eigenes Projekt mit Anpassungen an Menü, Struktur und Gestaltung. Stellen Sie diese Frage vor der Beauftragung. Die Antwort zeigt, ob jemand über den Tag hinaus geplant hat.
Verliere ich bei einem Neubau meine Sichtbarkeit bei Google?
Ohne Sorgfalt ja, ganz oder teilweise. Wenn Adressen sich ändern und alte nicht auf die neuen umgeleitet werden, führen Suchergebnisse und fremde Verweise ins Leere. Diese Umleitungen sind Handarbeit und gehören in jedes Neubauangebot. Fehlt der Punkt, fragen Sie nach. Nachträglich ist der Rang schwerer zurückzuholen als zu erhalten.
Was soll ich selbst an der Website ändern können?
Alles, was regelmäßig anfällt: Texte anpassen, Bilder tauschen, eine Stellenanzeige einstellen, Öffnungszeiten ändern, einen Fachbeitrag einstellen. Was am Aufbau hängt, also Struktur, Vorlagen und technische Einstellungen, sollte in fachlicher Hand bleiben. Diese Grenze klar zu ziehen ist Teil der Übergabe und entscheidet darüber, ob die Seite gepflegt wird oder veraltet.
Woran erkenne ich, dass meine Website am Ende ist?
An drei Anzeichen: Jede Änderung dauert länger als die vorherige. Erweiterungen passen nur mit Mühe hinein und sehen anders aus als der Rest. Und niemand traut sich mehr, Aktualisierungen einzuspielen, weil beim letzten Mal etwas kaputtgegangen ist. Treffen alle drei zu, ist ein Neubau meist günstiger als weiteres Flicken, dann aber mit tragfähigem Aufbau.


